• SUCHE
  • |

Details

27.05.16 14:41 Alter: 361 days

Kreativität und handwerkliches Geschick – der abwechslungsreiche Alltag eines Ergotherapeuten

 

Jonas ist 25 Jahre und arbeitet als Ergotherapeut in einer großen Praxis in Dresden. Nach seiner dreijährigen Ausbildung hat er schnell eine Anstellung in seinem Traumberuf gefunden. Aber was machen Ergotherapeuten genau und wie sieht ein normaler Tag aus? Jonas hat uns die Möglichkeit gegeben einen Blick über seine Schultern zu werfen, um eine Vorstellung von seinem Arbeitsalltag zu bekommen.

Am Morgen mache ich einen Hausbesuch bei einer Patientin, die vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden ist. Nach einer großen Operation am Hüftgelenk ist sie eine Weile auf einen Rollator angewiesen. Als ich das erste Mal bei ihr war, schaute ich mir ihren Alltag und ihre Wohnraumgestaltung an und untersuchte genau, womit es Probleme geben könnte. Heute habe ich verschiedene Hilfsmittel mitgebracht, damit Sie selbstständig im Alltag zurechtkommt. 

Später ist mein erster Patient in der Praxis Hannes. Der achtjährige Junge kam vor ein paar Wochen zu mir, weil er sich in der Schule schlecht konzentrieren kann und deshalb viele Aufgaben nicht zu Ende bringt. Wir üben zweimal in der Woche, wie ihm dies besser gelingen kann. Beim ersten Gespräch erzählte er mir begeistert von der Werkstatt seines Opas. Er liebt es mit Holz zu arbeiten. Heute beenden wir sein Projekt - ein Vogelhaus. Er hat es für seine Mama geplant, angerissen, gesägt, geschliffen und zusammengebaut. Zu Beginn konnte Hannes sich nur für 10 Minuten auf eine Aufgabe konzentrieren, mittlerweile sind 45 Minuten Konzentration kein Problem mehr.

Nach dem Mittagessen fahre ich gemeinsam mit einem Kollegen aus der Physiotherapie in eine Seniorenresidenz. Unsere Patientin hatte einen Schlaganfall und wir arbeiten seit einigen Wochen parallel an ihrem Heilungsprozess. Heute möchten wir unser Therapievorgehen kombinieren, um der Patientin die beste Möglichkeit für ein selbständiges Übersetzen vom Bett in den Rollstuhl zu ermöglichen. Die Denkanstöße und Herangehensweise meines Kollegen aus der Physiotherapie sind eine wunderbare Ergänzung zu meiner Arbeit.

Mein nächster Patient hat seit seiner Kindheit immer wieder Angstzustände. In Stresszeiten verstärken sich diese zu Panikattacken. Gerade wurde er in seinem Beruf befördert, und diese neue Herausforderung hat seine Krankheitssymptome verstärkt. In unserer Therapiezeit üben wir durch Gespräche seine Ängste einzuordnen. Entspannungs- und Wahrnehmungsübungen helfen ihm, seine Symptome selbstständig zu regulieren und geben ihm mehr Selbstvertrauen.

Der letzte Patient für heute hat bei einem schlimmen Betriebsunfall seine rechte Hand verloren. In ein paar Wochen soll er eine Prothese angepasst bekommen. Dafür muss ich seinen gut verheilten Stumpf vorbereiten. Mit verschiedenen Materialien und Grifftechniken arbeite ich an der Versorgung der Haut, der unkomplizierten Vernarbung und der Vorbereitung der Muskulatur auf die ungewohnte Belastung. Natürlich bleibe ich bei den Behandlungen selber Mensch und unterstütze meinen Patienten seelisch wie moralisch und mache ihm Mut.

Am Ende des Tages schreibe ich noch meine Patientenberichte. Ich bin stolz, an einem Tag vielen verschiedenen Menschen auf Ihrem schwierigen Weg der Besserung geholfen zu haben.

Steckbrief Ergotherapeut/in

 

Ausbildungsdauer: 3 Jahre

Voraussetzungen: Abitur oder Realschulabschluss

 

Bewerbungen für September 2017 noch möglich!