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„Hier spielt eben alles mit rein: Medizin, Pädagogik, Handwerk.“ - der ehemalige WAD-Schüler David Kirchner über seinen Traumberuf Ergotherapeut

 

 

 

 

 

David Kirchner ist erst 26 Jahre jung und seit einem halben Jahr der Leiter des Bereichs Ergotherapie im Rehazentrum Dresden-Strehlen. Von 2012 bis 2015 hat er seine Ausbildung zum Ergotherapeuten an der WAD absolviert. Im Interview blickt er auf seine Ausbildungszeit zurück und erzählt, warum er als Ergotherapeut seinen Traumberuf gefunden hat.

 

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Herr Kirchner, Sie sind noch gar nicht lange der Leiter des Bereichs Ergotherapie. Wie sind Sie dazu gekommen?

Seit März 2018 habe ich die Stelle als Leiter der Ergotherapie. Das ist aus Personalgründen entstanden und wurde dann an mich herangetragen. Geschäftsleitung und Verwaltung haben in den zwei Jahren, in denen ich hier bin, schon mitbekommen, dass ich den Blick nach draußen habe und auch mit den neuen Medien zurechtkomme. Bis jetzt sind die Kollegen sehr überzeugt davon.

 

Was hat Sie damals dazu bewegt, eine Ausbildung zum Ergotherapeuten zu beginnen?

Nach meinem Abitur am Beruflichen Gymnasium habe ich mich zunächst für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) entschieden. Und da hatte ich Glück, weil ich der Erste in der Stadt Dresden war, der einen BFD machen konnte. Ich durfte frei wählen und habe mich für das Förderzentrum für körperlich und geistig Behinderte von Prof. Fetscher in Bühlau entschieden. Ich habe dort Einblicke bei den Heilerziehungspflegern, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten oder Sozialpädagogen erhalten. Es hat mir sehr gut gefallen, da ich eben auch ein richtig gutes Team dort hatte! Ich durfte ein Jahr lang einen Jungen betreuen, mit dem ich unter anderem am Elektro-Rollstuhl trainiert habe. Alles, was für mich bis dahin noch fremd war, konnte ich dort ausprobieren. Und mich richtig entfalten. Einen BFD kann ich jedem empfehlen, auch nach dem Abitur. Ich habe in dieser Zeit festgestellt, dass mich das erfüllt. Und in dem einen Jahr habe ich mich über die Möglichkeiten informiert und bin an die WAD zum „Tag der offenen Tür“ gegangen. Das war auch die erste Schule, zu der ich gegangen bin. Dort hat mich eine Lehrerin davon überzeugt, den Beruf des Ergotherapeuten zu erlernen. Ich konnte alles ausprobieren und dachte dann: „Ja, das ist es!“. Hier spielt eben alles mit rein: Medizin, Pädagogik, Handwerk. Und außerdem war es ideal vom Fahrweg. Und das Flair und das Design der Schule stimmten auch. Dann habe ich mich beworben und hatte ein Vorstellungsgespräch und wurde angenommen!

 

Können Sie einen kurzen Rückblick auf drei Jahre Ausbildungszeit an der WAD geben?

Im ersten Jahr bekommt man ganz viel Theorie und Wissen gelehrt. Und dann baut sich das gestaffelt auf: Mal Theorie, mal Praxis. Mein erstes Praktikum war in der Geriatrie. Dort kam ich das erste Mal in Berührung mit Tod und Demenz. Ich habe während der Ausbildung in alle Arbeitsfelder einen Einblick erhalten. Schön fand ich, dass echte Ergotherapeuten an der Schule tätig waren und in den fachpraktischen Fächern alles genau erklären konnten. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, meine Ausbildung an der WAD zu machen. Auch im Nachhinein empfehle ich das ganz vielen. Hier sehe ich, dass der Bezug zum Deutschen Verband der Ergotherapeuten (DVE) und zu den geltenden Verordnungen besteht. An anderen Schulen ist das ziemlich schwammig, auch was Prüfungsbedingungen usw. angeht. Die Professionalität an der WAD ist gegeben, auch die Kommunikation der Lehrer mit uns ist professionell.

 

Haben Sie nach der Ausbildung direkt eine Anstellung als Ergotherapeut bekommen?

Ja und der große Vorteil dabei war, dass ich hier im Rehazentrum sowohl ein Praktikum, als auch danach meine Prüfung hatte. Der Geschäftsleiter kam auf mich zu und meinte, dass ich mich im Rehazentrum bewerben soll, da er mich gerne im Team haben wollte. Und dann hatte ich den Arbeitsvertrag schon vor Prüfungsende!

 

Schauen Sie anders auf Ihre Ausbildungszeit zurück, seitdem Sie selbst ausbilden und Schüler anleiten?

Ja, das ist echt interessant! Als ich meine erste Auszubildende hatte, habe ich geschaut, welche Theorie ich damals hatte und was ich ihr im Praktischen vermitteln kann. Ich habe mit ihr die Muskeln wiederholt oder auch versucht, didaktische und pädagogische Ansätze zu vermitteln. Einige Schüler finden es cool, dass sie gefordert werden und andere wiederum fühlen sich dann etwas überfordert. Sie merken dann, dass hier eben ganz viel Theorie präsent ist, auch während der praktischen Arbeit.

 

Haben Sie mit ehemaligen Lehrern oder Mitschülern noch Kontakt?

Leider ist der große Kontakt verloren gegangen, weil jeder eben auch mittlerweile woanders arbeitet. Aber per Mail oder Facebook ist man schon noch in Kontakt. Eine ehemalige Mitschülerin hat mich aber letztens nach einem Klassentreffen gefragt, die Idee finde ich echt super! Ansonsten sehe ich Frau Lehmann ab und an mal oder freue mich, über Auszubildende von ihr zu hören.

 

Sind Sie stolz auf sich, dass Sie ehemaligen Lehrern beim Wiedersehen erzählen können, dass sie mittlerweile Teamleiter an einer bekannten Reha-Einrichtung in Dresden sind?

Ja, das auf jeden Fall. Ich war schon stolz, als ich als ausgelernter Ergotherapeut zur Mentorenkonferenz gehen konnte. Dann fühlt man sich schon bestätigt.                             

 

Wo soll es denn in Zukunft noch beruflich für Sie hingehen?

Grundsätzlich sollte der Beruf meiner Meinung nach akademisiert werden, ich persönlich möchte aber nicht mehr studieren. Ich habe für mich beschlossen, dass ich mit meiner Ausbildung abgeschlossen habe. Ich will mich fortbilden und spezialisieren. Mit der Teamleitung sind natürlich auch nochmal ganz andere Aufgaben auf mich zu gekommen. In dem Beruf kann man sich sehr viel autodidaktisch fortbilden und Kongresse besuchen.

 

Die Therapieberufe sind stark unterbesetzt. Wie schätzen Sie es ein, dass es zu wenig Therapeuten gibt?

Das sehe ich sehr kritisch. Man sieht ja, dass Stellen zurzeit schwer zu besetzen sind. Durchschnittlich braucht man 120 Tage, um eine Stelle als Therapeut neu zu besetzen. Es muss auf jeden Fall etwas geschehen. Wir merken es ja selbst, wir bekommen weniger Auszubildende im Praktikum. Viele Schulen können schon gar keine Klassen mehr aufmachen, weil es zu wenig Bewerber für die Ausbildung gibt. Deswegen finde ich es schön, dass unser Geschäftsleiter den Verein „Therapeuten sind wichtig“ ins Leben gerufen hat.

 

Wie motiviert man denn junge Leute, sich wieder für einen Therapieberuf zu interessieren?

Ich finde es immer wieder schön, wenn wir Schülerpraktikanten aus der Mittelschule oder vom Gymnasium haben. Die dürfen überall hospitieren und so haben wir die Möglichkeit, ihnen die Berufe näher zu bringen. Und natürlich lassen wir sie viele Dinge ausprobieren. Vielleicht sollte man mit Therapeuten mal direkt in die Schulen gehen und dort etwas Werbung machen.

 

Vielen Dank an David Kirchner für das Interview. Das Team der WAD wünscht alles Gute für die Zukunft!